AWO Metropolregion Rhein-Neckar

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„Ein Jahr AWO Hausgemeinschaft Elztal-Dallau Interview“

AWO Neckar-Odenwald
Pressemitteilung vom 01.08.2017

Interview mit Karin Hofmann, Leiterin des AWO Fachbereichs Stationäre Pflege (links), und Sandra Helke, Pflegedienstleiterin in der AWO Hausgemeinschaft Elztal-Dallau

Die neue Pflege – individuell, gemeinschaftsbezogen, alltagsorientiert
Im Juli 2017 feierte die AWO Hausgemeinschaft Elztal-Dallau ihr einjähriges Bestehen. Das Neubauprojekt für 60 pflegebedürftige Menschen wurde ohne staatliche Förderung mit einer 8,3-Mio.-Euro-Investition der AWO Neckar-Odenwald in Elztal-Dallau gebaut.
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Frage: Frau Hofmann, was ist das Besondere an der AWO Hausgemeinschaft?
Karin Hofmann: Die kleinen Gemeinschaften und die individuelle Betreuung. Wir haben in Dallau Wohngruppen mit maximal zwölf Personen. Sie gestalten ihren Alltag gemeinsam, indem sie beispielsweise an der Zubereitung des Mittagessens mitwirken, gemeinsam einen Kuchen backen, Blumen pflanzen und so weiter. Alltagsrituale spielen eine wichtige Rolle, weil sie Halt und Sicherheit geben. Wir haben beispielsweise jeden Morgen eine Zeitungsrunde. Die Bewohner lesen gemeinsam die RNZ, diskutieren über Nachrichten, die sie bewegen und über Menschen, die ihnen bekannt sind. Das Pflegeheim ist keine Sonderwelt, sondern im gewohnten Leben verankert.

Frage: Welche Rolle spielt die Pflege?
Sandra Helke: Da wir eine stationäre Pflegeeinrichtung sind, nimmt die Pflege natürlich einen wichtigen Raum ein. Dabei regen wir die Bewohner an, alles selbst zu tun, was sie noch selbst schaffen. Wir sorgen für altersgerechte Bewegung und Mobilisierung und kümmern uns auch um soziale Kontakte. Das Haus wurde so gebaut, dass der Wohnbereich mit Küche den Mittelpunkt der jeweiligen Gemeinschaft bildet. Wo immer möglich, essen die Bewohner hier zusammen, sprechen und beschäftigen sich miteinander. Das ist ein wichtiger Beitrag gegen Vereinsamung und Langeweile. Außerdem geben wir den Bewohnern viel individuelle Zuwendung und fördern sie in alldem, was sie noch können und gerne tun.

Frage: Spielen Medikamente und Arztbesuche eine wichtige Rolle im Alltag der Bewohner?
Sandra Helke: Viele Bewohner kommen mit vielfältigen Diagnosen und noch mehr Medikamenten zu uns. In einigen Fällen bekommen sie zu viele Beruhigungsmittel verschrieben. Wir beobachten genau, welche Wirkung die Medikamente haben und stellen die Patienten ihrem Arzt vor. Oft können weit weniger Medikamente gegeben werden, die Patienten sind dann wacher und nehmen mehr Anteil an allem, was sie umgibt. Auf jeden Fall kümmern wir uns um die medizinische Versorgung unserer Bewohner und arbeiten intensiv mit den Ärzten zusammen. Ab Oktober nehmen wir an einem Projekt zur ärztlichen Versorgung im ländlichen Raum teil. Die Arztversorgung kann dadurch auf mehr Schultern verteilt werden.

Frage: Wie sieht es mit Bettgittern und anderen derartigen Maßnahmen aus?
Karin Hofmann: Wir wenden keinerlei freiheitsentziehende Maßnahmen an. Bettgitter sind gefährlich, weil Bewohner in Versuchung kommen könnten, darüber zu klettern und dabei stürzen könnten. Wir stellen die Betten in eine tiefe Position, sodass die Bewohner sicher aufstehen können. Zum anderen sorgen wir für einen Rhythmus mit Aktiv- und Ruhephasen, sodass die Bewohner abends müde sind und gern schlafen gehen. Dies vermeidet insbesondere bei dementiell erkrankten Personen Unruhe, Weglauftendenzen und nächtliche Wachphasen.

Frage: Werden die Angehörigen in die Arbeit einbezogen?
Karin Hofmann: Wir ermutigen die Angehörigen, ihren bisherigen Besuchsrhythmus beizubehalten. Wenn der Sohn beispielsweise immer abends seine Mutter besuchte, soll er das weiterhin tun, denn das ist ein Stück Alltag. Die Tochter einer Bewohnerin kommt mittags und reicht ihr das Essen – ebenfalls eine gute Gewohnheit, die ihre Mutter schätzt. Besuchszeiten sollen zum Leben der Besucher und der Bewohner passen.

 Fotos: AWO Neckar-Odenwald
Weitere Informationen: www.awo-now.de